Anne

Ingenieurin
Anne

Anne hat Maschinenbau studiert und Ingenieurin ist ihr absoluter Traumjob. Für Sie gibt es keinen spannenderen Beruf, der mehr Abwechslung bietet. Sie erzählt euch wie sie dazu kam und warum Praktika und/oder eine Ausbildung vor dem Studium nur von Vorteil sein können. Sie engagiert sich als girlsatec-Botschafterin, um Mädchen und Frauen Mut zu machen, diesen Schritt zu gehen.

Frauen im Maschinenbau das passt, das funktioniert und das hat viel Luft nach oben!

Maschinenbau? Du studierst wirklich Maschinenbau? Diese Frage wurde mir während meines Studiums oft gestellt. Und auch jetzt blicke ich noch in staunende Augen, wenn ich über meinen bisherigen Weg berichte.

Ja, ich habe Maschinenbau studiert, denn Begeisterung für Technik und analytisches Denken bringe ich mit und es sind Grundvoraussetzungen für ein Maschinenbau-Studium. Bereits als kleines Mädchen, habe ich nicht nur mit Puppen gespielt, sondern auch Lego und Bauklötzer für mich entdeckt. Auch meinem Vater habe ich gern bei handwerklichen Projekten zugesehen und ihm, soweit es möglich war, geholfen. Nach dem Abitur, wollte ich auch etwas im technischen Bereich studieren. Nachdem ich einige Informationen über Informatik, Elektrotechnik, Bauwesen und Maschinenbau gesammelt hatte, habe ich mich für Maschinenbau entschieden.

Warum? Wir benutzen so viele Gegenstände und Geräte im Alltag, ohne uns weiter Gedanken über diese zu machen. Aber mich fasziniert die Geschichte dahinter, wie diese Produkte entstehen und wie der Weg dahin ist.

Schauen wir doch mal allein darauf, wie wir uns fortbewegen. Was passiert in einem Auto, damit es vorwärts fährt oder wie kann aus vielen einzelnen Teilen ein Fahrrad entstehen? Wie funktioniert ein Schaltgetriebe und wie ist es aufgebaut, sieht man doch immer nur den Knüppel für die Gangschaltung zwischen den Sitzen. Oder warum bricht ein Fahrrad nicht auseinander, wenn wir uns drauf setzten?

… auf keinen Fall abschrecken lassen

Wie so etwas berechnet, konstruiert und gebaut wird, lernen wir in Fächern wie Produktentwicklung, Konstruktionstechnik und Produktionstechnologie. Zusätzlich stehen auch noch Mathe, Mechanik, Physik, Chemie, Thermodynamik und Informatik auf dem Stundenplan. Davon sollte man sich auf gar keinen Fall abschrecken lassen. Abiturienten zum Beispiel haben oft noch nie eine technische Zeichnung gesehen oder die Studienanfänger mit Ausbildung haben vielleicht Mathematik früh abgewählt oder sich lange nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Doch in Vorkursen werden die Studenten auf einen gemeinsamen Stand gebracht und in den Vorlesungen wird zwar schnell, aber systematisch an die Themen herangegangen.

… auch ich hatte Schwierigkeiten

Auch ich hatte in Mathe oder Technischen Mechanik meine Schwierigkeiten und ich wusste, es würde ein extrem harter Brocken. Der Spaß kam erst mit der Zeit. Auch wegen des hohen praktischen Anteils im Studium. Maschinenbau ist kein lockeres, aber ein sehr praxisnahes Studium. Die Aufgaben und Projekte, die einen während des Studiums begleiten sind sehr anschaulich. Dort übt man technisches Zeichnen am Zeichenbrett und am Rechner, konstruiert die verschiedensten Bauteile und entwirft Fabriken nach speziellen Vorgaben.

… ich kann jedem empfehlen Praktika oder eine Ausbildung zu machen

Außerdem sind zwei Pflichtpraktika vorgeschrieben: eins, das man schon vor Studienbeginn absolvieren sollte, und ein halbjähriges am Ende des Studiums. Mein erstes Praktikum habe ich im ABB Ausbildungszentrum absolviert, dort habe ich den ganzen Tag gefräst, gedreht und Bauteile montiert, was mir im Studium nur Vorteile, besonders beim technischen Verständnis, brachte. Darauf folgten die Arbeit in einer Ersatzteilfertigung für Gas- und Dampfturbinen und in einem Forschungsinstitut mit dem Schwerpunkt Produktion und Konstruktion. Der Vorteil einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist, dass man vom gesamten Produktionsprozess Kenntnisse bekommt und überall mal mitarbeiten muss. Ich kann jedem empfehlen, Praktika oder eine Ausbildung vor dem Studium zu machen. Die Kenntnisse und Erfahrungen, die ihr gewinnen könnt, verschaffen euch einen Vorsprung und bringen viele Pluspunkte mit sich.

… deshalb macht es Sinn, Mädchen darin zu bestärken

Jetzt arbeite ich in einem IT-Unternehmen und verbinde Maschinenbau mit Informationstechnik. Die Arbeit ist sehr vielseitig und macht viel Spaß, auch wenn es mal etwas hektisch zugeht. Neben dem technischen Wissen, das wir MINT-Studentinnen mitbringen, profitiert die Branche auch von unserer Kommunikationsstärke. Diese gewinnt nämlich immer mehr an Bedeutung, denn Ingenieure können technisch viel, reden aber oft zu wenig miteinander. Aber es ist sehr wichtig, sich auszutauschen, damit Projekte reibungslos laufen.

Doch leider ist das Bild immer noch dasselbe: Mädchen und Frauen bleiben eine Ausnahme in technischen Berufen und Studiengängen. Deshalb macht es Sinn, Mädchen darin zu bestärken, dass auch sie sich für Technik interessieren dürfen und in technischen Berufen erfolgreich sein können. Mit dem Ziel, dass sie irgendwann einen Beruf finden, der sie begeistert und zu dem sie sich berufen fühlen.

Wer also Interesse hat, einen technischen Beruf zu erlernen oder etwas Technisches zu studieren, sollte sich nicht durch irgendwelche, zumeist veraltete Vorurteile abschrecken lassen.

Denn du suchst dir deine Ausbildung bzw. dein Studienfach doch nicht wegen des Frauenanteils, sondern nach deinen Neigungen aus, oder?